Esra feiert Geburtstag!

Denn dieses Blog wird heute genau ein Jahr alt.

„We demand: protection from flies, dry and clean nappies, mother’s breast, clean air and light, healthy parents, obstetricians instead of midwives“; by Alexei Komarov, 1923

 

Veröffentlicht unter aus dem Leben | 1 Kommentar

Aus aktuellem Anlass: Ist Wählen verkehrt?

»Ist Wäh­len ver­kehrt?« Über diese Frage strit­ten Gre­gor Gysi und Karl Held wäh­rend einer Ver­an­stal­tung, die das »Café kon­kret« am 20. April ’94 in Bochum durchführte.

 

Wer wählt, sage ich, ist ein Natio­na­list, der eine bes­sere Hand­ha­bung durch die­sen Staat erfah­ren will. Er will sich der Obrig­keit unter­wer­fen, hat aber andere Vor­stel­lun­gen dar­über, wie. Ich möchte bloß wis­sen, wie ihr als auf­ge­klärte und fre­che Men­schen dar­auf kommt, daß das eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sein soll. Ich wähle, gebe meine Stimme ab, und dann wird mit die­ser Stimme Staat gemacht. Das ist die pas­sivste Art der Herr­schafts­be­stel­lung, die man sich aus­den­ken kann, mein Kreuz auf dem Stimm­zet­tel. Damit habe ich dann sat­zungs­ge­mäß dar­über ent­schie­den, wer die Mehr­heit hat, wer die­sen Staat nach sei­nem Gusto und nach sei­nen Geset­zen usw. führt.

(Karl Held)

Das Protokoll des Gesprächs findet ihr hier. Außerdem zu empfehlen ist die Seite „…Gegen die Wahl„, die sich mit den Vor- und Nachteilen des parlamentarischen Prozederes auseinandersetzt.

Veröffentlicht unter abgeschrieben, Handgemenge in der Kritik, verwiesen | Hinterlasse einen Kommentar

Robert Kurz über „solidarische Ökonomie“

Was dabei im deutschsprachigen Raum als „solidarische Ökonomie“ firmiert, ist nichts als ein Sammelsurium kleinbürgerlicher Vorstellungen, die historisch längst gescheitert sind und unter den neuen Krisenbedingungen keinerlei Perspektive bieten. Solche Ideen sind eine bloße Ausflucht. Sie wollen sich nicht dem Konflikt mit der Krisenverwaltung stellen, sondern „neben“ der wirklichen gesellschaftlichen Synthesis durch das Kapital ihre eigene vermeintliche Idylle pflegen. Praktisch sind diese Projekte völlig irrelevant. Sie stellen nur eine „Wohlfühl“-Ideologie von desorientierten Linken dar, die sich am Krisenkapitalismus vorbeimogeln wollen und selber zu einer Ressource der Krisenverwaltung zu werden drohen. Es kommt im Gegenteil darauf an, die vergesellschaftete Reproduktion vom Fetisch des Kapitals und seiner basalen Formen zu befreien.

Kurz, Robert: Der Tod des Kapitalismus. Marxsche Theorie, Krise und Überwindung des Kapitalismus. Hamburg: LAIKA, 2013. S. 28f.

Veröffentlicht unter abgeschrieben, mano de obra asalariada, Zombies innerhalb der Linken | 6 Kommentare

Eindrücke aus dem Harz

Diese Galerie enthält 4 Fotos.

     

Weitere Galerien | 1 Kommentar

Roger Behrens über Tocotronics jüngstes Album

Was spätestens jetzt (also am Ende der Platte) klar wird: Wenn die Parole „Wie wir leben wollen“, wie es heißt, „von der Band ganz dezidiert nicht als Fragesatz formuliert“ ist, so sind die vermeintlichen „Antworten“ auch keine, die Thesen ein Konvolut aus Quatsch, Idiotie und politischen Banalphrasen. Der Satz „Wie wir leben wollen“ und wie damit künstlerisch, musikalisch, politisch, ästhetisch etc. umgegangen wird, führt das ganze Projekt ad absurdum; wer 2013 ernsthaft von Tocotronic Hinweise erwartet, die die Parole mit Inhalt füllen, fällt dem billigsten Versprechen anheim, das die Kulturindustrie seit ihren Anfängen gibt. Sich von der Band als, korrekt gegendert, „Fanatiker_innen“ anrufen zu lassen und den musikalischen Proklamationen zu folgen (auf Twitter!), affirmiert als popbeflissene Haltung in individualistischer Variante das, was Adorno und Horkheimer „Aufklärung als Massenbetrug“ nannten.

Roger Behrens: Wie wir leben wollen, Kolumne Rückkopplungen, in: Streifzüge 58/2013.

Veröffentlicht unter abgeschrieben, für die Ohren, Pop, über Geschmack lässt sich nicht streiten, verwiesen | 3 Kommentare

Sie wollen ein zweites Lichtenhagen

Die Strasse „In den Peschen“ im Duisburger Bezirk Rheinhausen ist momentan im Fokus des digitalen Volksmobs, der sich rassistischer und antiziganistischer Pogromstimmung erfreut. Die Hausnummern „In den Penschen 3-5“ beherbergen Roma-Familien und gelten im Volksmund als „Problemhaus“ – die Rede ist von Armut, Kriminalität und Überfremdung. Im Netz formiert sich seit Ende Februar diesen Jahres eine Gemeinde von Gegner_innen dieses Hauses und seiner Bewohner_innen. Vertreten ist dort alles, was man sich an Ressentiments und offener Feindseligkeit nur vorstellen kann. Unter anderem lassen sich dort übelste Beschimpfungen und Hetze, Aufforderungen zur Brandstiftung und Selbstjustiz sowie Gewaltphantasien finden. Ein Screenshot eben jener Kommentare findet sich hier. Mittlerweile ermitteln Staatsschutz und Staatsanwaltschaft gegen die Möchtegern-Branstifter_innen.

Update (16.08.13): Auf dem Jungleblog findet sich auch ein Artikel zu dem Thema, verfasst von Thomas von der Osten-Sacken. Man beachte auch den furchtbaren Beitrag des Spiegels zu der „Untergangsstimmung in Duisburg-Hochfeld“.

Veröffentlicht unter Antifa, Rassismus | Hinterlasse einen Kommentar

Eine Revolte, die nicht endet (Antonio Negri)

Antonio Negri ist spätestens seit seiner Bücher-Trilogie Empire (2000), Multitude (2004) und Commonwealth (2009) ein international beachteter Theoretiker des (Post-)Operaismus. Negri, der in Italien aufgrund vermeintlicher Involvierung in den Tod Aldo Moros, Drahtzieherschaft bei den militant-terroristischen Roten Brigaden und politischem Aktivismus massiver staatlicher Repressionen ausgesetzt war, wurde letztendlich zu einer 30-jährigen Haftstrafe verurteilt, die wenig später auf 34 Jahre ausgeweitet wurde. Allerdings konnte sich Negri ins französische Exil begeben, wo er 14 Jahre lang, bis zu seiner freiwilligen Rückkehr nach Italien weiter leben und arbeiten konnte. In Italien wurde Negri nach seiner Ankunft verhaftet und erst 2003 aus der Haft entlassen. Der Dokumentarfilm „Eine Revolte, die nicht endet“ wurde 2004 von Alexandra Weltz und Andreas Pichler gedreht. Er liegt hier in ungekürzter Länge vor und beleuchtet zu großen Teilen die politische Biographie Negris, geht aber auch auf die jüngeren, theoretischen Inhalte und Positionen ein, die „Toni“ teils in Haft, teils in Freiheit erarbeitet hat.

Veröffentlicht unter Flimmerkiste, Handgemenge in der Kritik, mano de obra asalariada | Hinterlasse einen Kommentar

Das praktische Gefühl als Organ des Vorurteils

Die schönsten Leistungen des bürgerlichen Verstandes bilden, zur Gewohnheit geworden, den sicheren Bestand des Gefühlslebens, über das ein moralisches Individuum verfügt. Das praktische Gefühl , die Form, in der die wollende Intelligenz unmittelbar auftritt, fungiert als Richter über alles, was ein Individuum so erlebt, indem es einen Vergleich nach dem anderen anstellt – und zwar zwischen seiner in Urteile über die Objektiviät verwandelten Einstellungen und dem, was die übrige Menschheit sagt und tut. Nicht einmal nur dann, wenn es seine Kommentare zur Welt mit der beliebten Formel „Ich finde…“ einleitet, macht es sein „Selbstbewußtsein“ zum Organ des Urteils, was nichts anderes bedeutet, als daß das bürgerliche Subjekt die Einschätzung von Freund und Feind, von Recht und Ordnung, von Lohn, Preis und Profit, von Mann, Weib und Kind über lauter Vorurteile vollzieht. Der bürgerliche, rechtschaffende Mensch ist so frei, jede Geste und jeder Spruch seiner Zeitgenossen danach zu taxieren, ob sie seinem moralischen Materialismus entsprechen oder ihm gar nicht in den Kram passen. Dabei vermischen sich die wenigen Kriterien, die er als Aktivist des erfolgreichen Anstands beherrscht, entsprechend seinem Prinzip so gründlich, daß man meinen könnte, er hätte gar keine Prinzipien.

Held, Karl (Hg.): Die Psychologie des bürgerlichen Individuums. München: Gegenstandpunkt, 1981, S. 36.

Veröffentlicht unter abgeschrieben, Handgemenge in der Kritik | 5 Kommentare

Endstation Bad Kleinen – Doku über die Todesumstände von Wolfgang Grams


Wolfgang Grams (*06.03.1953) war Mitglied der sogenannten 3. Generation der Roten Armee Fraktion. Unter bis heute ungeklärten Umständen kam es bei einem Einsatz der GSG-9 am 27. Juni 1993 auf dem Bahnhof in Bad Kleinen zu einem Schusswechsel zwischen Grams und den staatlichen Einsatzkräften, bei dem der Beamte Michael Newrzella und Grams tödlich verwundet wurden. Grams und Newrzella starben beide kurze Zeit später im Krankenhaus. Bis heute ist nicht wirklich sicher, ob sich Grams, verletzt im Bahngleis liegend, selbst tötete oder durch einen aufgesetzten Kopfschuss eines GSG-9-Beamten erschossen wurde. Die Dokumentation „Endstation Bad Kleinen – Vom Versagen deutscher Sicherheitsorgane“ beleuchtet die Ereignisse und zeichnet den Verlauf der Aktion nach. Aufgrund von dilettantischen Ermittlungs- und Untersuchungspannen konnte der Tod von Grams bis heute nicht abschließend geklärt werden.

Momentan lässt sich auch noch die Dokumentation „Zugriff im Tunnel – Das tödliche Drama von Bad Kleinen“ in der ARD-Mediathek anschauen.

Veröffentlicht unter Flimmerkiste, Geschichte wird gemacht | Hinterlasse einen Kommentar

Kein tränenschwerer Blick

TOP B3RLIN über die falschen Freunde und Feinde des Thälmann-Denkmals in Berlin (Prenzlauer Berg):

Kein tränenschwerer Blick heftet sich an eine Vergangenheit, in der noch jeder Viertklässler auf Thälmann »vereidigt« wurde. Selbstverständlich ist der Genosse kein Bezugspunkt für die heutige radikale Linke. Identitär ist dagegen die überkorrekte Abgrenzung gegen jedes Fitzelchen revolutionärer Geschichte. Sie spielt der Macht in die Hände.

(Jungle World #26, 27. Juni 2013)

 

Veröffentlicht unter abgeschrieben, Geschichte wird gemacht, Zombies innerhalb der Linken | Hinterlasse einen Kommentar