„Ich hasse Antideutsche. ‚Sehen alle scheiße aus!“

„Tahya Falastin“ bedeutet „Lang lebe Palästina“. Thawra und Kaveh haben sich selbst übertroffen in punkto 08/15-Anti-Antideutschen-Rap.

Veröffentlicht unter Flimmerkiste, über Geschmack lässt sich nicht streiten, Zombies innerhalb der Linken | Hinterlasse einen Kommentar

doch immer weiter geht es hier.

Publiziert am von Admin | Hinterlasse einen Kommentar

Die Parade der Unsichtbaren

Nachdem ich seit schon geraumer Zeit keine eigenen Artikel mehr auf Esra veröffentlicht habe, kommt nun wieder ein Beitrag. Leider auch „nur“ ein freundlicher Hinweis auf eine Demonstration, die mir sehr am Herzen liegt. Aber das ist doch zumindest besser als nichts. Wer in der Zwischenzeit mehr von mir hören möchte, kann noch immer mal wieder auf meinen Tumblr schauen. Dort zitiere ich meist aus Texten, die ich gerade lese. Ab und an kommentiere ich auch das Geschriebene.

Zurück zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags: die Parade der Unsichtbaren wird eine Demonstration von verschiedenen linken und linksradikalen Gruppen sein, die sich nicht mit den offiziellen Feierlichkeiten zu 1000 Jahre Leipzig seitens der Stadt zufrieden geben möchten.  Aus diesem Grunde sei hier auf die Internetpräsenz, das Plakat und den Aufruf der Organisator*innen verwiesen: leipzig2015.blogsport.de

Aufruf:

Die Parade der Unsichtbaren.

„Wir sind die Stadt“, lautet eine der charmanten Lügen, die sich die hiesigen Marketingstrategen zur 1000-Jahres Feier von Leipzigs Ersterwähnung zurechtgelegt haben. Im ganzen Jahr 2015 soll sich die städtische Bevölkerung kräftig einschwören auf „ihr“ Leipzig. Der Höhepunkt der von einem Verein unter städtischem Vorstand organisierten Selbstbeweihräucherung: Ein kultischer Sternenmarsch am 30.05., an dem fünf riesige Löwenskulpturen die Stadt Leipzig repräsentierend durch die Straßen ziehen sollen. Wirtschaft und Handel, Kunst und Kultur, Buch und Medien, Wissenschaft und Bildung, Sport und Umwelt – sie alle sollen sich am Ende des Sternenmarsches unter der großen Göttin Lipsia verneigen. Neben solchen Allgemeinplätzen wartet die Erzählung zur große Sause natürlich auch mit ihrer ganz Leipzig-spezifischen Deutung der Stadt auf. Erzählt wird die Geschichte der Bürger- und Heldenstadt. Erzählt wird eine Geschichte von kulturellen und wissenschaftlichen Genies, fleißigen Geschäftemachern und freiheitsliebenden Bürger*innen. Erzählt wird nicht zuletzt die Laier vom kreativen Hypezig, in dem noch Platz für Mensch und kulturelle Vielfalt ist. So willkürlich, bemüht und eben doch provinziell solche Events immer wirken, könnten sie einem fast egal sein. Wäre da nicht die Tatsache, dass sie aktiv daran mitgestalten, die Stadt als Marke und unseren Lebensraum als Zonen des Profits zu etablieren. Wäre da nicht die Tatsache, dass diese ihre Erzählung der Stadt nicht unsere Erzählung ist: der Prekären, Verdrängten, Ausgeschlossenen, Ungewollten. Dass sie nicht die Erzählung der Geflüchteten ist und nicht derjenigen Opfer eines rassistischen Dauerzustandes.

Leipzig: eine bürgerliche Phantasie

Nach außen hin ist die Jubiläumsfeier nichts weiter als eine einjährige Werbeschleife. Wenn Leipzig sich als weltoffene Kulturmetropole und Wissensstandort inszeniert, passiert dies nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern um die Stadt fit zu machen für die besser-verdienende Mittelschicht. Die hiesigen Unternehmen freuen sich auf gut-ausgebildete Lohnarbeiter*innen und Konsumenten*innen mit dem nötigen Kleingeld, die Immobilieninvestoren auf Käufer*innen an den frisch entstandenen Eigentumswohnungen und Gated-Communities, die in den letzten Jahren vermehrt im Stadtbild zu sehen sind.

Selbstverwirklichung: Die Ideologie der neoliberalen Stadt

Dabei ist die Art, wie für den städtischen Jubiläumszirkus geworben wird, paradigmatisch sowohl für die Anforderungen, die die Gesellschaft des Profits heute an ihre Mitglieder stellt, wie für die Ideologie, mit der jene diesen ihr Herrschaftsprojekt schmackhaft macht. Hinter Slogans wie „Wir sind die Stadt, wenn du dabei bist“ und „1000 Jahre Leipzig sind 1000 Jahre Vielfalt“ verbirgt sich keine homogene Erzählung mehr, sondern die Vorstellung von der Stadt als bunter Mischung verschiedener Identitäten, die ganz im Sinne des Diversity-Managements produktiv gemacht werden sollen für die Belange der Verwertung. Nicht umsonst werden im Marketingdiskurs die Motive von Verwegenheit und Pioniergeist ausgespielt: die berühmte „Leipziger Freiheit“, die Stadt als wildes Abenteuer und Ort von Selbstverwirklichung, Leipzig als Bürgerstadt, die durch eigenverantwortliche Leistung und nicht durch Vorrecht ihren Status erworben hat. Es sind dies die Chiffren, die das neoliberale Real-Märchen vom unternehmerischen Selbst bedienen. Sie sind sowohl attraktiv für den Lebensentwurf einer besser-verdienenden Mittelschicht, wie sie auch die Anforderungen enthalten, die für eine post-fordistische Stadt relevant sind. Selbstverwirklichung, Kreativität, Selbstmobilisierung und Selbstausbeutung – in der Medien- und Kreativwirtschaft und in der Wissensproduktion, die in Leipzig einen großen Teil der Wirtschaft stellen, sind dies relevante Faktoren für erfolgreiches Wirtschaften. Aber auch bei den wenigen fordistisch-industriellen Leuchttürmen wie Amazon oder Opel dürften die Mitarbeiter*innen mit den Floskeln der eigenverantwortlichen Selbstverwirklichung bei Stange gehalten werden.

Aufwertung: Die Grenzen der Vielfalt

Dabei ist klar, dass sich mit der Anrufung von Freiheit und Individualität zwar jede*r angesprochen fühlen soll, aber nur manche gemeint sind, denn an Diversität wird nur zugelassen, was für das Projekt der Stadt des Profits nutzbar gemacht werden kann. Mit der Vielfalt hört es dort auf, wo die städtische Marke bedroht ist. So funktioniert Ideologie state of the art:
Freiheit ja bitte, aber wenn es die „Chaoten“ in Connewitz oder der Eisenbahnstraße zu weit treiben, dann sollen es doch Komplexkontrollen, Videoüberwachung und der polizeiliche Dauer-Ausnahmezustand richten. Leipzig will nach außen als sicher wirken und die „gefährlichste Straße“ der Republik befrieden, auch wenn dies zur Kriminalisierung linker Politgruppen und offenem Rassismus bei Polizeikontrollen führt. Auch mit der Weltoffenheit hat man es nur soweit, wie die Asylbewerber*innen der Torgauer Straße weiter in einer Massenunterkunft am Rande der Stadt das Wohlbefinden der Mitbürger*innen nicht stören.
Dank Leipziger Linie wurde trotz 10 % Leerstand seit den 90er Jahren keine Besetzung mehr geduldet. Der Status der Wagenplätze ist alle paar Jahre bedroht. Wozu auch all der Wildwuchs? Man hat ja das bunte Treiben an „unserer Karli“.
Klar sind alle die Stadt, wenn auch du dabei bist. Die Frage ist, wer kann dabei sein, wenn die Mieten in dieser Stadt mittlerweile schneller steigen, als das Realeinkommen wächst?
Und natürlich ist die Stadt selbst stolz auf ihre „creative class“, die im „Disneyland des Unperfekten“ haust und schafft. Doch mit dem Zugeständnis an Wächterhäuser und Ladenprojekte ist Schluss, wenn die Kreativen ihren Dienst getan haben und die Viertel attraktiv sind. Zwar waren es die Bewohner*innen mit ihren sozialen Interaktionen und kreativen Aktionen, die Leipzig wertvoll und interessant gemacht haben. Aber die Immoblilienwirtschaft ist es, die unter Beihilfe der Stadt die Wertsteigerung über die Mieten einfährt. In der Südvorstadt oder Plagwitz hängt die steigende Nachfrage nach Wohnungen unmittelbar mit dem geschaffenen Kulturangebot zusammen. Jetzt wo die Mieten steigen, müssen die Produzent*innen dieses immateriellen Reichtums an Kultur das Viertel verlassen. Die Karawane zieht weiter. Nach Lindenau oder Volkmarsdorf bis auch dort die Viertel dicht sind.

Schuld: Das Elend hat System

Das kreative Milieu selbst trägt zwar keine Schuld an den Folgen der Aufwertung, sondern diejenigen, die dessen Leistungen als Image eines Viertels und Verkaufsargument privatisieren. Aber die Realität der Aufwertung ist selbstredend komplizierter, als hier die schöpferische Unschuld und dort die Charaktermasken des Kapitals zu vermuten. Den verschiedenen Institutionen der Stadt kann man durchaus einen humanistischen Anspruch unterstellen, wenn sie Leipzig attraktiver hinsichtlich seiner Lebensqualität gestalten wollen. Nur ist dies nur um den Preis des menschenfreundlichen Zynismus zu haben. Wenn mit Stolz akklamiert wird, dass durch die Aufwertung des Leipziger Südens politische Indolenz, Gewalt und Prekarität beseitigt wurden, dann wird eben verschwiegen, dass dies nicht durch die Lösung dieser sozialen Missstände besorgt wurde, sondern durch Verdrängung der ursprünglichen „Problem“-Bevölkerung.
Und auch die Alternativen und Kreativen haben zuweilen ein Interesse am Zuzug neuer Bewohner*innen, damit sich die Geschäfte im eigens eröffneten Kulturbetrieb lohnen oder um sich einzurichten im eigenen kulturellen Milieu. Zwar zieht es die meist weißen, studentischen Umzügler gerne in Viertel, wo sich mitunter am Elend der Prekären sozialromantisch gelabt werden kann. Langfristig gesehen wird man aber unter seines gleichen bleiben, weil die alten Bewohner*innen wegziehen. Auch hier: kein Vorwurf, denn auch das ist der Irrsinn einer Gesellschaft, in der nur alle gegeneinander ihr Glück einfahren können. Keiner hat’s gewollt, doch am Ende stehen alle vor dem Resultat einer Stadt, die brav getrennt ist zwischen arm und reich, „weiß“ und migrantisch, kultureller Avantgarde und Tristesse.
Natürlich soll dies nicht bedeuten, dass es keine Akteure gibt, die ganz aktiv an der Umgestaltung der Stadt arbeiten und die es nicht zu markieren lohnen würde. Eben so wenig, dass keine politischen Spielräume existieren, die man einfordern könnte. Wer keinen Unterschied zwischen den Entmietungsschweinereien einer HSK-Immobilien und der Praxis alternativer Kulturakteur*innen kennt, kann auch nicht mehr unterscheiden, wer letztlich an den profit-orientierten Entwicklungen zu leiden hat und wer nicht.

Verdrängung: Exodus der Anderen

Eine Politik, die Leipzig zu einem begehrten Investitionsobjekt machen will, hat fatale Auswirkungen für die Bevölkerung. Der steigende Wert von Immobilien schlägt in steigende Mieten für Bewohner*innen nachgefragter Viertel um. Dass es in Leipzig in den letzten Jahren zu Mietsteigerungen kam, hat jede*r Bewohner*in am eigenen Leib spüren können. Wie viele Wohnungen finden sich noch für 4,60 €/qm – das ist der ALG II Freibetrag des Jobcenters – in den Vierteln, wo kulturelle und infrastrukturelle Teilhabe am städtischen Reichtum möglich ist? Und wie viele werden es in Zukunft sein? Wer die höheren Mieten nicht mehr zahlen kann, ist gezwungen, das Viertel zu verlassen, um Platz für eine einkommensstärkere Bevölkerung zu machen. Sie müssen an den Stadtrand ziehen – bis die Gentrifizierung auch dort ankommt. Am Ende der Verdrängung steht die Obdachlosigkeit, dann wenn es keinen bezahlbaren Wohnraum mehr gibt. Allerdings schützt die Stadt auch den Leerstand mittlerweile vor den ungeliebten Gästen. Die Bewohner*innen, die sich die Mieten nicht mehr leisten können, sind die Armen – die Erwerbslosen, prekär-Beschäftigen, Aktivist*innen in alternativen Kulturprojekten, usw. Dieses andere Leipzig ist nicht aufgefordert worden sich unter der Stadtgöttin Lipsia zu vereinen, sie werden von keiner der Löwenskulpturen repräsentiert. Sie sind ausgeschlossen und unsichtbar. Sie sollen den Löwen höchstens beim Brüllen und Stolzieren zusehen.

Widerstand: Wir sind die Stadt!

Die Feier zu 1000 Jahren Leipzig wirft ein Schlaglicht auf das, was gemeint ist, wenn von Leipzig gesprochen wird. Die Nicht-Repräsentanz der Unterpriviligierten ist Ausdruck einer politischen Praxis, die diese Unterpriviligierten produziert. Doch es ist nur unsere Stadt, wenn auch wir dabei sind. Dabei geht es uns um mehr, als nur unsere eigenen Lebensstile im urbanen Raum akzeptiert zu sehen. Es muss das Ziel einer Recht-auf-Stadt-Bewegung sein, den städtischen Reichtum den Bedürfnissen der Menschen gemäß verfügbar zu machen. Die ganz andere Stadt bedeutet: Wir entscheiden zusammen über die Umstände unseres Lebensumfelds – die Logik von Profitabilität und Verwertung hat keine Macht mehr darüber. Keine Frage: unter den heutigen Verhältnissen der Stadt des Kapitals hat das den Klang von Utopie. Gleichwohl gibt es schon ganz gegenwärtige Wege, die Bedingungen über das eigene Wohnen und Leben in die eigene Hand zu nehmen: Mieter*innen machen Entmietungspraxen öffentlich und organisieren sich gegen den Druck der Immobilienfirmen. Zwar ist dies noch ein unterrepräsentiertes Phänomen in Leipzig, wird aber weiter notwendig werden, wenn sich Fälle wie in der Windmühlenstraße, der Holbeinstraße oder der Kantstraße häufen. Auch die Nutzung des öffentlichen Raums muss wieder politisiert werden, so wie es jetzt gerade mit dem Leopoldplatz in Connewitz geschieht. Und apropos Leopoldplatz: Eine Initiative fordert mittlerweile die Bebauung mit Unterkünften für Asylsuchende. Auch das geht also. Das Recht auf Stadt mit dem Problem einer ausschließenden Asylpolitik verknüpfen.
Wenn wir am 30.05. auf die Straße gehen, wollen wir Resonanzraum sein für all diese praktischen Bewegungen, die der Filetierung des eigenen Lebensraum etwas entgegenzusetzen haben. Und nicht zuletzt wollen wir die offizielle Erzählung der Stadt Leipzig nicht unwidersprochen lassen, denn sie meint nicht uns. Lasst uns zusammen als unsere eigene Skulptur all jene sichtbar machen, die vom Recht auf Stadt ausgeschlossen sind: Ausgesperrte, Weggesperrte, Ungewollte, Anormale, Abgeschaffte.

Für ein Recht auf Stadt für Alle!

Veröffentlicht unter mano de obra asalariada, Veranstaltungen, verwiesen | Hinterlasse einen Kommentar

Veranstaltungsempfehlung: Antifa Jugendkongress in München

Vom 31.10. bis zum 2.11.2014 findet in München ein bayernweiter antifaschistischer Jugendkongress statt.
Der Kongress soll eine Plattform für den Austausch zwischen verschiedenen antifaschistischen Spektren sein und Interessierte für antifaschistisches Engagement gewinnen. Zur Teilnahme und Unterstützung sind alle Jugendgruppen und Einzelpersonen, die antifaschistisch arbeiten (wollen), eingeladen. Wir wollen Erfahrungen austauschen, Wissen vermitteln, Grundsätze und Standpunkte diskutieren, sowie Ansätze gemeinsamer Aktivitäten erarbeiten.

Das Programm umfasst sowohl Diskussionsrunden zu verschiedenen Themen als auch Workshops mit Praxisbezug, Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Gruppen und Regionen, ein Zeitzeugengespräch und eine Kongressparty – hier ist für jede_n etwas dabei!

(via antifakongress.blogsport.eu)

Veröffentlicht unter Antifa, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das umschweifige Treiben des AK Nahost

Anfang August hatte ich bereits über die Geschehnisse bei der antizionistischen Kundgebung und im Anschluss stattfindenden Spontandemo durch die Leipziger Innenstadt berichtet. Beides fand am Nachmittag des 17. Juli statt. Anlass war der wieder an Intensivität zunehmende Konflikt zwischen terroristischen Organisationen im Gaza-Streifen (Hamas, Islamischer Dschihad, usw.) und den Israelischen Streitkräften. Im Grunde hatte das neu gegründete Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus dazu alles Wesentliche gesagt. Insbesondere die organisatorische Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung durch den „AK Nahost“ führte zu heftiger Kritik. Doch offenbar wurde der Arbeitskreis fälschlicherweise der lokalen DieLinke.SDS-Gruppe zugeschrieben, die sich wiederum am 12. August mit einer Stellnungnahme auf ihrer Facebook-Seite distanziert hatten: der AK Nahost habe nichts mit dem SDS zu tun und habe auf eigene Faust den SDS als Organisator mit aufgeführt.

Doch damit nicht genug. Ein neuer Vorfall ist erwähnenswert, in dem der AK Nahost eine schäbige Rolle spielt. In der Nacht vom 11. auf den 12. August wurde die Fassade an das linke Wohn- und Kulturprojekt „b12“ mit dem Schriftzug „Boycott Israel“ gesprüht, das innerhalb der Leipziger Linken für seinen israelsolidarischen Standpunkt bekannt ist. In einer Stellungnahme der b12 ist zu lesen, dass es relativ eindeutige Indizien gibt, die dafür sprechen, dass ein Mitglied des AK Nahost sich die Mühe gemacht hatte, seinen antizionistischen Aufruf zu verbreiten. Die Facebook-Seite des AK Nahost lässt eigentlich kaum einen Zweifel zu, dass es sich bei ihrer Arbeit nicht um die Analyse der Verhältnisse im gesamten Nahen Osten geht, sondern die Delegitimierung Israels das vorrangige Ziel ihrer Agenda darstellt.

Foto des Graffito, das an der Hauswand der b12 hinterlassen wurde. Leicht zu erkennen: der Schriftzug „Boycott Israel“ (Quelle: Homepage der b12)

Veröffentlicht unter Handgemenge in der Kritik, verwiesen, Zombies innerhalb der Linken | Hinterlasse einen Kommentar

Stellungnahme zu den Vorfällen um die antizionistische Spontandemo in Leipzig (17.07.2014)

Das Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Leipzig hat eine Text veröffentlicht, in dem die Ereignisse auf den jeweiligen angemeldeten Kundgebungen und der antizionistischen Spontandemo geschildert werden:

Die etwa 80köpfige Gruppe zog unter Sprechchören wie „Frauenmörder Israel“, „Kindermörder Israel“ und „Allahu Akbar“ über den Marktplatz Richtung Wilhelm-Leuschner-Platz. Als mehrere israelsolidarische Aktivisten die Spontanversammlung beobachteten und teilweise mit Sprechchören für Israel und gegen die Hamas bedachten, eskalierte die Aggressivität der antizionistischen Menge, aus deren Mitte immer wieder die Beschimpfung „Scheißjuden“ zu hören war.

Veröffentlicht unter abgeschrieben, Antifa, Handgemenge in der Kritik, verwiesen, Zombies innerhalb der Linken | 1 Kommentar

Veranstaltungstipp: Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen!

Die noch relativ junge Leipziger Initiative Emanzipation & Antifaschismus beteiligt sich an der diesjährigen Mobilisierung gegen den antisemitischen und islamistischen al-Quds-Tag in Berlin. Aus gegebenen Anlass wird es eine Veranstaltungsreihe in Leipzig geben:

11.07. / 19.00 Uhr / Location: tba

Zur Kritik des modernen Antisemitismus und Islamismus im Nahen Osten

Vortrag und Diskussionsveranstaltung mit Hannes Bode

 

14.07. / 20.00 Uhr / linXXnet

„Tsahal“ (Claude Lanzmann)

Filmvorführung und Diskussionsveranstaltung

 

16.07. / 19.00 Uhr / Conne Island

Schall & Wahn. Zur antisemitischen Internationale und dem Nicht-Verhalten einer radikalen Linken.

Mobilisierungs- und Infoveranstaltung mit dem antifaschistischen Bündnis gegen den al-Quds-Tag

 

23.07. / 20.00 Uhr / Wohn- und Kulturprojekt b12

„be like others“ – Zur Zwangsheterosexualität im Iran

Filmabend und Diskussionsveranstaltung

 

04.08. / 19.00 Uhr / Location: tba

Über „Tabubrecher“ und „Israelkritiker“

Vortrags- und Diskussionveranstaltung mit Philipp Lenhard

Weitere Infos zur Arbeit der Initiative Emanzipation und Antifaschismus findet man auf ihrer Homepage.

Veröffentlicht unter Antifa, Handgemenge in der Kritik, Veranstaltungen | Hinterlasse einen Kommentar

Der Osten

Wie die Jungle World in ihrer aktuellen Ausgabe (17/2014) schreibt, hat die Zahl der „rechtsextremen“ Straftaten in Ostdeutschland im letzten Jahr erheblich zugenommen und bezieht sich dabei auf einen Bericht des Tagesspiegel vom 10. April:

Wie der Tagesspiegel am 10. April berich­tete, hat in den ostdeutschen Bundesländern die Zahl rechtsex-tremer Straftaten 2013 deutlich zugenommen. Das geht aus der gemeinsamen Statistik der Beratungsstellen für Opfer rassistischer Gewalt in Ostdeutschland und Berlin hervor, die in Berlin vorgestellt wurde. Demnach gab es im vergangenen Jahr 737 Angriffe mit 1 086 Betroffenen in Berlin und den neuen Bundesländern. Das waren 18 Prozent mehr als 2012. Damit erfolgten in Ostdeutschland statistisch gesehen zwei rechtsextremistisch motivierte Angriffe pro Tag. Mit 223 Fällen wurden die meisten Angriffe in Sachsen gezählt, im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 43 Prozent. In Berlin stieg die Zahl der Fälle um 33 Prozent auf 185 an. Auch die Beratungsstellen in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen verzeichnen eine Zunahme der Gewalt. Zwei Drittel aller Übergriffe 2013 waren der Statistik zufolge Körperverletzungen, ein Drittel Bedrohungen und Nötigungen. In sieben Fällen handelte es sich um schwere Körperverletzungen oder versuchte Tötungen.

Jungle World: Deutsches Haus 17/14

Veröffentlicht unter abgeschrieben, Antifa, Rassismus | Hinterlasse einen Kommentar

Die Autokratie des Kapitals über die Arbeitenden

Die technische Unterordnung des Arbeiters unter den gleichförmigen Gang des Arbeitsmittels und die eigentümliche Zusammensetzung des Arbeitskörpers aus Individuen beider Geschlechter und verschiedenster Altersstufen schaffen eine kasernenmäßige Disziplin, die sich zum vollständigen Fabrikregime ausbildet und die schon früher erwähnte Arbeit der Oberaufsicht, also zugleich die Teilung der Arbeiter in Handarbeiter und Arbeitsaufseher, in gemeine Industriesoldaten und Industrieunteroffiziere, völlig entwickelt.

„Die Hauptschwierigkeit in der automatischen Fabrik bestand in der notwendigen Disziplin, um die Menschen auf ihre unregelmäßigen Gewohnheiten in der Arbeit verzichten zu machen und sie zu identifizieren mit der unveränderlichen Regelmäßigkeit des großen Automaten. Aber einen den Bedürfnissen und der Geschwindigkeit des automatischen Systems entsprechenden Disziplinarkodex zu erfinden und mit Erfolg auszuführen war ein Unternehmen, des Herkules würdig, das ist das edle Werk Arkwrights! Selbst heutzutage, wo das System in seiner ganzen Vollendung organisiert ist, ist es fast unmöglich, unter den Arbeitern, die das Alter der Mannbarkeit zurückgelegt haben, nützliche Gehilfen für das automatische System zu finden.“ (189)

Der Fabrikkodex, worin das Kapital seine Autokratie über seine Arbeiter, ohne die sonst vom Bürgertum so beliebte Teilung der Gewalten und das noch beliebtere Repräsentativsystem, privatgesetzlich und eigenherrlich formuliert, ist nur die kapitalistische Karikatur der gesellschaftlichen Reglung des Arbeitsprozesses, welche nötig wird mit der Kooperation auf großer Stufenleiter und der Anwendung gemeinsamer Arbeitsmittel, namentlich der Maschinerie. An die Stelle der Peitsche des Sklaventreibers tritt das Strafbuch des Aufsehers. Alle Strafen lösen sich natürlich auf in Geldstrafen und Lohnabzüge, und der gesetzgeberische Scharfsinn der Fabrik-Lykurge macht ihnen die Verletzung ihrer Gesetze womöglich noch einbringlicher als deren Befolgung. (190)

___

189: Ure, l.c.p. 15. Wer Arkwrights Lebensgeschichte kennt, wird das Wort „edel“ diesem genialen Barbier nie an den Kopf werfen. Von allen großen Erfindern des 18. Jahrhunderts war er unstreitig der größte Dieb fremder Erfindungen und der gemeinster Kerl.

190: „Die Sklaverei, in der die Bourgeoisie das Proletariat gefesselt hält, kommt nirgends deutlicher ans Tageslicht als im Fabriksystem. Hier hört alle Freiheit rechtlich und faktisch auf. Der Arbeiter muß morgens um halb 6 in der Fabrik sein; kommt er ein paar Minuten zu spät, so wird er gestraft, kommt er 10 Minuten zu spät, so wird er gar nicht hereingelassen, bis das Frühstück vorüber ist, und verliert einen Vierteltag am Lohn. Er muß auf Kommando essen, trinken und schlafen … Die despotische Glocke ruft ihn vom Bette, ruft ihn vom Frühstück und Mittagstisch. Und wie geht es nun gar erst in der Fabrik? Hier ist der Fabrikant absoluter Gesetzgeber. Er erläßt Fabrikregulationen, wie er Lust hat; er ändert und macht Zusätze zu seinem Kodex, wie es ihm beliebt; und wenn er das tollste Zeug hineinsetzt, so sagen doch die Gerichte zum Arbeiter: Da ihr unter diesen Kontrakt euch freiwillig begeben habt, jetzt müßt ihr ihn auch befolgen … Diese Arbeiter sind dazu verdammt, vom neunten Jahr bis zu ihrem Tode unter der geistigen und körperlichen Fuchtel zu leben.“ (F. Engels, l.c.p. 217 sqq. <Siehe Band 2, S. 398-400>) Was „die Gerichte sagen“, will ich an zwei Beispielen erläutern. Der eine Fall spielt in Sheffield, Ende 1866. Dort hatte sich ein Arbeiter für 2 Jahre in eine Metallfabrik verdingt. Infolge eines Zwistes mit dem Fabrikanten verließ er die Fabrik und erklärte, unter keinen Umständen mehr für ihn arbeiten zu wollen. Wurde wegen Kontraktbruchs verklagt, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. (Bricht der Fabrikant den Kontrakt, so kann er nur civiliter <zivilrechtlich> verklagt werden und riskiert nur eine Geldbuße.) Nach Absitzen der zwei Monate stellt derselbe Fabrikant ihm Ladung zu, dem alten Kontrakt gemäß in die Fabrik zurückzukehren. Arbeiter erklärt; Nein. Den Kontraktsbruch habe er bereits abgebüßt. Fabrikant verklagt von neuem, Gericht verurteilt von neuem, obgleich einer der Richter, Mr. Shee, dies öffentlich als juristische Ungeheuerlichkeit denunziert, wonach ein Mann sein ganzes Leben durch periodisch für dasselbe identische Vergehn, resp. Verbrechen, wieder und wieder bestraft werden könne. Dieses Urteil wurde gefällt nicht von den „Great Unpaid“, provinzialen Dogberries, sondern zu London, von einem der höchsten Gerichtshöfe. {Zur 4. Aufl. – Dies ist jetzt abgeschafft. Einige wenige Fälle ausgenommen – z.B. bei öffentlichen Gaswerken -, ist jetzt in England der Arbeiter beim Kontraktbruch dem Beschäftiger gleichgestellt und kann nur zivilrechtlich belangt werden. – F. E.} – Der zweite Fall spielt in Wiltshire, Ende November 1863. Ungefähr 30 Dampfstuhlweberinnen, in der Beschäftigung eines gewissen Harrupp, Tuchfabrikant von Leower’s Mill, Westbury Leigh, machten einen strike, weil dieser selbe Harrupp die angenehme Gewohnheit hatte, ihnen für Verspätung am Morgen Lohnabzug zu machen, und zwar 6 d. für 2 Minuten, 1 sh. für 3 Minuten und 1 sh. 6 d. für 10 Minuten. Dies macht bei 9 sh. per Stunde 4 Pfd.St. 10 sh. per Tag, während ihr Durchschnittslohn im Jahr nie über 10 bis 12 sh. wöchentlich steigt. Harrupp hat ebenfalls einen Jungen bestellt, um die Fabrikstunde zu blasen, was er selber manchmal vor 6 Uhr morgens tut, und wenn die Hände nicht grade da sind, sobald er aufhört, werden die Tore geschlossen und die draußen in Geldbuße genommen; und da keine Uhr im Gebäude, sind die unglücklichen Hände in der Gewalt des von Harrupp inspirierten jugendlichen Zeitwächters. Die im „strike“ begriffnen Hände, Familienmütter und Mädchen, erklärten, sie wollten wieder ans Werk gehn, wenn der Zeitwächter durch eine Uhr ersetzt und ein rationellrer Straftarif eingeführt würde. Harrupp zitierte 19 Weiber und Mädchen vor die Magistrate wegen Kontraktsbruch. Sie wurden verurteilt zu je 6 d. Strafe und 2 sh. 6 d. Kosten, unter lauter Entrüstung des Auditoriums. Harrupp wurde vom Gericht weg von einer zischenden Volksmasse begleitet. – Eine Lieblingsoperation der Fabrikanten ist, die Arbeiter durch Lohnabzüge für die Fehler des ihnen gelieferten Materials zu züchtigen. Diese Methode rief 1866 allgemeinen strike in den englischen Töpferdistrikten hervor. Die Berichte der „Ch. Employm. Commiss.“ (1863-1866) geben Fälle, wo der Arbeiter, statt Lohn zu erhalten, durch seine Arbeit, und vermittelst des Strafreglements, noch obendrein Schuldner seines erlauchten „Master“ wird. Erbauliche Züge über den Lohnabzugs-Scharfsinn der Fabrikautokraten lieferte auch die jüngste Baumwollkrise. „Ich hatte selbst“, sagt Fabrikinspektor R. Baker, „vor kurzem gerichtliche Verfolgung wider einen Baumwollfabrikanten einzuleiten, weil er in diesen schweren und qualvollen Zeitläuften 10 d. von einigen der von ihm beschäftigten ‚jungen'“ (mehr als dreizehnjährigen) „Arbeiter abzog für das ärztliche Alterszertifikat, das ihm nur 6 d. kostet und wofür das Gesetz nur einen Abzug von 3 d., das Herkommen gar keinen erlaubt … Ein andrer Fabrikant, um denselben Zweck ohne Konflikt mit dem Gesetz zu erreichen, belastet jedes der armen Kinder, die für ihn arbeiten, mit einem Shilling als Sportel für Erlernung der Kunst und des Mysteriums, zu spinnen, sobald das ärztliche Zeugnis sie reif für diese Beschäftigung erklärt. Es existieren also Unterströmungen, die man kennen muß, um solche außerordentliche Phänomene, wie strikes zu Zeiten wie die gegenwärtige“ (es handelt sich um einen strike in der Fabrik zu Darven, Juni 1863, unter den Maschinenwebern) „zu begreifen.“ („Reports of Insp. of Fact. for 30th April 1863“, p. 50, 51.) (Die Fabrikberichte gehn immer weiter als ihr offizielles Datum.)

Tillamook_Cheese_FactoryMarx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Band 1. MEW 23 (1966), Berlin: Dietz Verlag.

Veröffentlicht unter abgeschrieben, Absurdität, mano de obra asalariada | Hinterlasse einen Kommentar

Robert Kurz v.s. die Blogospähre

Wenn ich das lese, fühle ich mich da irgendwie ganz automatisch angesprochen:

„Natürlich möchten nicht zuletzt die in der „Blogospähre“ bloß assoziativ herumblökenden linken Stammtisch-Räsonneure, denen die Auseinandersetzung um den Marxschen Krisenbegriff ein Buch mit sieben Siegeln ist, sich in ihrer vermeintlichen Ichstärke eines hohlen „Antikapitalismus“ geschmeichelt fühlen und auf jeden Fall zur kritischen Oxford-Elite gehören; und so fällt die Heinrichsche Seelenklempnerei gegenüber der radikalen Krisentheorie auf fruchtbaren Boden, gerade weil man die Mühen einer konzentrierten Lektüre auf sich nehmen müsste, und so ernst kann die Sache denn doch nicht genommen werden. Da kommt die psychologische Deutung gerade recht, um sich ohne eigene Anstrengung des Begriffs und ohne unliebsamen Begründungszwang über die „Zusammenbruchstheoretiker“ erhaben fühlen zu können.“

Kurz, Robert: Krise und Kritik II, in: exit! #11 (6.2013), S. 66. 

Veröffentlicht unter abgeschrieben, Handgemenge in der Kritik | 2 Kommentare